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Landeskirchliche Gemeinschaft Grevenbroich | Vom-Rath-Straße 2 | 41515 Grevenbroich
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"...und vergib uns unsere Schuld" „Buß- und Bettag“ ein Tag der Besinnung und des stillen Gebets. Im kirchlichen Kalender ist er ein fester Termin, ein gesetzlicher Feiertag ist er nur noch in Sachsen. Der Buß- und Bettag ist ein Feiertag der Evangelischen Kirchen, der erstmals 1523 in Straßburg eingeführt wurde. Buß- und Bettag ist ein Feiertag, der die Bitte des Vaterunsers "Und vergib uns unsere Schuld" aufgreift. Der Tag soll daran erinnern, dass auch ein Scheitern zum Leben gehört, und man sich immer wieder neu auf das christliche Leben ausrichten sollte. Dazu gehört „Beten und Buße“. Obwohl der Feiertag tief im kirchlichen Leben der Protestanten verankert ist, wurde er im Jahr 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Buße und Sühne In den christlichen Konfessionen gehört „Buße und Sühne“ zum geistlichen Alltag, allerdings in verschiedenen Auslegungen. In früher christlicher Zeit gab es bereits besonders angesetzte Bußtage, die jedoch weniger von der Kirche als viel mehr von weltlichen Machthabern angesetzt wurden. In besonderen Notfällen oder bei drohenden Katastrophen wurde zu Sühnetagen aufgerufen. Auch Karl der Große verordnete besondere Bußtage aus Gründen besonderer Not. Das Mittelalter folgte diesen Vorbildern und die Reformation übernahm diese Ordnung. Obwohl Luther die so genannten Quatembertage 1  kritisch betrachtete, wurden Buß- und Bettage in der evangelischen Kirchenordnung der Reformationszeit vorgeschrieben und gemäß der Überlieferungen teilweise sogar monatlich abgehalten. Anordnung durch die Obrigkeit bei Notstand und Kriegen Ein Land oder Staat verordnete einen Bußtag oft nach Ausbruch eines Krieges, damit die Menschen Gott um Vergebung baten, sowie die Abnahme der Schuld für die Gewaltanwendung. Im Dreißigjährigen Krieg nahm  die Zahl der Buß- und Bettage rapide zu, wobei es manchmal wöchentliche Wiederholungen gab. Neben den aktuell begründeten Bußtagen folgten auch Bußtage, die das Kirchenvolk zur Buße bei allgemeinen Volksnöten aufrief. In den deutschen Ländern des Reiches von 1871 soll es 47 verschieden datierte Bußtage gegeben haben. Um diese Vielzahl der Bußtage zu reduzieren, machte die evangelische Eisenacher Konferenz bereits 1852 den Vorschlag, einen einheitlichen Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr einzuführen. Der Vorschlag blieb jedoch ohne Erfolg. Erst 1892 schuf die Preußische Generalsynode zu diesem Datum einen einheitlichen Bußtag für das Staatsgebiet in Mittel- und Norddeutschland. Einige Evangelische Landeskirchen behielten jedoch zusätzlich noch andere Buß- und Bettage bei. Öffentliches Gebet und persönliche Abbitte Die ehemals staatlich-öffentliche Eigenart des Buß- und Bettages ist uns nicht mehr bekannt. Keiner ruft heute mehr die gesamte Bevölkerung dazu auf, anlässlich von Notständen oder drohender Gefahren zu beten und Buße zu tun. Der Buß- und Bettag wird heute subjektiv auf den einzelnen Christen bezogen. Aus dem einst öffentlichen Gebet und kollektiver Schuldsuche wurde eine persönliche Gewissensprüfung und Bitte. W.M. 1 Mit Quatember (von lat. ieiunia quattuor temporum „Fasten der vier Jahreszeiten“) bezeichnet man viermal im Jahr stattfindende, ursprünglich durch Fasten, Abstinenz, Gebet und Almosengeben ausgezeichnete Bußtage im Kirchenjahr. Sinn der Quatember ist es, Gott für die Gaben der Schöpfung zu danken, die Menschen daran zu erinnern, sie maßvoll zu gebrauchen und sich auch der Bedürftigen anzunehmen.